Kaffee-Wissen

Bohnen & Crema

Die Bohne macht den Unterschied

Von der Sorte über die Ernte bis zur Röstung: Was wirklich in deiner Tasse landet.

Arabica oder Robusta? Die zwei Giganten

Es gibt weltweit über 100 verschiedene Kaffeearten (darunter auch Exoten wie Liberica oder Excelsa), aber Arabica und Robusta machen über 98 % des Weltmarktes aus. So unterscheiden sie sich:

100% Arabica Robusta (Canephora)
Optik: Länglich, oval. Der Spalt in der Mitte zieht sich meist in einer eleganten S-Form durch die Bohne.

Anbau: Wächst im Hochland (meist 1.000 bis 2.000 Meter). Braucht mildes Klima.

Geschmack & Inhalt: Weniger Koffein (ca. 1,2 %), dafür sehr reich an Kaffeeölen (Fetten) und feinen Fruchtsäuren. Schmeckt weicher, komplexer und oft fruchtig oder blumig.
Optik: Kleiner und rundlicher. Der Spalt in der Bohne ist fast immer gerade.

Anbau: Wächst im Flachland. Ist deutlich robuster gegen Hitze und Schädlinge.

Geschmack & Inhalt: Enthält doppelt so viel Koffein (ca. 2,2 bis 2,7 %) und weniger Öle. Das sorgt für einen erdigen, nussigen, schokoladigen Geschmack mit leichten Bitternoten – und für eine fantastische, dicke Crema!

Aufbereitung: Wie die Kirsche zur Bohne wird

Kaffee wächst als Frucht – ähnlich einer Weintraube oder Kirsche. Bevor die Bohnen (die Samen im Inneren) geröstet werden können, muss das Fruchtfleisch abgelöst werden. Hier gibt es zwei Hauptmethoden:

  • Die trockene Aufbereitung ("Natural"): Die ganzen Kirschen werden oft einfach auf großen Betonflächen auf dem Boden in der Sonne getrocknet und später maschinell geschält. Das ist die günstigere Methode. Der Nachteil: Es landen sehr viel leichter Fremdkörper wie kleine Steinchen oder Stöckchen zwischen den Bohnen.
  • Die nasse Aufbereitung ("Washed"): Die deutlich teurere und hochwertigere Methode. Die Kirschen werden durch Wasserkanäle geschleust, wo das Fruchtfleisch schonend abgewaschen wird. Schwerere (gute) Bohnen sinken ab, defekte schwimmen oben. Das Ergebnis ist ein sehr sauberer Geschmack und nahezu keine Fremdkörper im fertigen Kaffee.

Traditionelle Trommelröstung

Qualität & Handwerk

Die Bohnen werden schonend in einer sich drehenden Trommel geröstet. Auch in großen Maschinen (die bis zu 2 Tonnen fassen) werden oft maximal 400 kg pro Durchgang geröstet.

Der Prozess dauert je nach Sorte ca. 15 bis 25 Minuten bei moderaten 200°C bis 220°C. Die Bohnen haben Zeit, aggressive Säuren abzubauen und ihre komplexen Aromen vollständig zu entfalten.

Industrielle Heißluftröstung

Masse & Günstig

Hier zählt nur Geschwindigkeit. Bei großen Discountern werden die Bohnen teils vorab künstlich mit Aroma behandelt. Dann werden sie durch riesige Anlagen gejagt und mit bis zu 800°C bis 900°C heißer Luft in oft nur 2 bis 4 Minuten "schockgeröstet".

Dabei verbrennen die Bohnen äußerlich schnell, sind im Kern aber noch fast roh. Die aggressiven Säuren (die oft auf den Magen schlagen) können in dieser kurzen Zeit nicht abgebaut werden.

Wie erkennt man industriell/günstig gerösteten Kaffee?

Schütte die Bohnen auf einen Teller. Bei günstigen Bohnen siehst du viele "Defekte": stark unterschiedliche Größen, viele zerbrochene Bohnen und vor allem unterschiedliche Farben (Röstgrade) in einer einzigen Packung. Manche Bohnen sind pechschwarz verbrannt, andere noch sehr hell. Auch kleine Steinchen oder Stöckchen verbergen sich oft in solch günstigen Chargen.

Warum "Billigkaffee" ein Alarmsignal ist (Deklarierung & Steuern)

Wusstest du, dass Kaffee eines der ganz wenigen Lebensmittel in Deutschland ist, das von der Pflicht befreit ist, eine Nährwerttabelle auf der Verpackung abzudrucken? Das ist gesetzlich so geregelt.

Viel spannender ist aber die Steuer: Auf jedes Kilogramm Röstkaffee erhebt der deutsche Staat eine Kaffeesteuer von exakt 2,19 €. Oben drauf kommt noch die reguläre Mehrwertsteuer.

Die Rechnung, die aufzeigt, warum Qualität ihren Preis hat:

Daher sind Kaffeesorten, die im Supermarkt für unter 15 Euro pro Kilo angeboten werden, mit äußerster Vorsicht zu genießen. Lass uns rechnen: Ziehst du von diesen 15 Euro die Kaffeesteuer (2,19 €), die Mehrwertsteuer, die Kosten für den extrem weiten Transport, die Röstung, die Verpackung und die Gewinnmarge des Supermarkts ab... was bleibt dann noch für die Kaffeebauern, die Aufbereitung und die eigentliche Bohnenqualität übrig? Fast nichts. Wer an der Kasse spart, spart unweigerlich an der Qualität in der Tasse – und unterstützt oft miserable Bedingungen im Anbau.